Ein Hindu stirbt nicht gern in den eigenen vier Waenden, so vorhanden. Sollte es doch passieren, muss sein Leichnam so schnell wie moeglich aus dem Haus. Ansonsten bleibt sein Geist im Haus gefangen, was weder fuer die Reinkarnation hilfreich ist, noch fuer die Erben einen tragbaren Zustand darstellt. Viele, knapp vor der letzten Abzweigung stehende Hindus, pilgern deswegen nach Pashupatinath.
Pashupatinath ist das groesste Hinduheiligtum ausserhalb Indiens und nur knapp 20 Minuten zu Fuss von unserer Unterkunft entfernt. Pashupati ist die Inkarnation Shivas als "Lord of the Beasts" und somit eine der drei Hauptgottheiten des Hinduismus. Neben Shiva, dem Gott der Zerstoerung und der Erneuerung, sind das noch, Vishnu, der Gott des Bewahrens und der eher langweilige Brahma, der Schoepfergott, der seit getaner Arbeit ein eher ruhiges Dasein fristet. Interessant ist auch noch Shivas Frau Parvati, ein nicht ganz einfaches Eheweib. Ihr gemeinsamer Sohn Ganesh traegt deshalb einen Elefantenkopf, weil Shiva Mutter und Sohn im Bett erwischte und vor lauter Zorn, diesem kurzerhand die Ruebe absaebelte.Als das schlechte Gewissen zu druecken begann, ersetzte er denselben durch den Kopf des erstbesten Tieres, das ihm ueber den Weg lief. Ob ein Elefantenkopf die verdiente Strafe fuer Inzest ist, muss jeder selber beurteilen.
Pashupatinath ist bei weitem nicht so spektakulaer wie Varanasi, und auch der Bagmati kann es nur in punkto Verschmutzung mit dem Ganges aufnehmen. Die Tempel durften wir als Nichthindus nicht betreten und so blieb es bei einer Besichtigung der Ghats, wo Familien geschaeftig die Koerper verstorbener Angehoeriger verbrannten. Hindus pflegen ein weniger distanziertes Verhaeltnis zum Tod als wir. Vom Kaufen des Feuerholzes bis zum Reinigen des Ghats nach getaner Arbeit ist alles Familiensache, und bevor man den Scheiterhaufen entzuendet, kuesst man zum Abschied nochmal die Fuesse des Verstorbenen.
Dass ueber der ganzen Anlage ein Duft nach Spanferkel haengt, liegt laut Hugo daran, dass die Toten vor der Verbrennung nicht im Fluss gewaschen werden. In Varanasi werden die Toten gewaschen, und mir ist kein Geruch aufgefallen. Daher glaube ich Hugo jedes Wort.
PS: Hugo ist ein Voluntaer aus Zuerich und ab und zu mein Schachpartner auf unserer Dachterasse. Ein sehr guter Schachpartner, weil nicht viel besser als ich.


Ich freue mich immer auf eure Einträge. Wir hoffen, es geht euch gut und die täglichen Eindrücke versiegen nicht oder werden auch nicht zur Gewohnheit, aber die Gefahr besteht wahrscheinlich nicht.
AntwortenLöschenLiebe Grüße
Werner