Samstag, 26. Februar 2011

Noch 2 Mal

Heute haben wir unser letztes woechentliches Gassenkuechenmeeting. Morgen verteilen wir das letzte Mal Essen und danach bauen wir die Kueche ab. Ein Teil der Gaeste wird zurueck in ihre Doerfer gehen, die Haenge des Kathmanduvalleys erstrahlen bereits in einem saftigen gruen. Ein Teil wird weiterhin trinkend und schnueffelnd in den Strassen von Bodanath leben. Die Touristensaison hat begonnen, die Verdienstmoeglichkeiten steigen. Shiva, unser Koch geht heim zu seinem Wasserbueffel. Die meisten Freiwilligen gehen nach Hause in ihr anderes Leben. Barbara bleibt um Nepali zu lernen, Laura reist weiter nach Indien und auch fuer uns ist die Zeit des Aufbruchs nahe.


Am 2. Maerz nehmen wir den Bus nach Syabru Besi und werden die naechsten 2 -3 Wochen durch die Langrang und Gosainkund Region wandern. Ohne Fuehrer und ohne Traeger, nur mit unseren Rucksaecken. Die Freude darauf ist riesengross. Zeit und Abgeschiedenheit um Erlebnisse zu verarbeiten, Eindruecke zu ordnen und Gedanken zu fassen.


Danach wollten wir eigentlich nach Tibet. Doch China hat die Grenzen geschlosssen. Am 5. Maerz ist Losar (Tibetisches Neujahr) und am 10. Maerz ist Tibetan Uprising Day. Die letzten beiden Jahre gab es Ausschreitungen in Lhasa. China will dabei keine Zeugen im Land haben, schon gar nicht in diesem, an Revolutionen nicht armen Winter. Der Anlass ist traurig, aber ueber die gewonnene Zeit in Nepal freuen wir uns.

Heute ist unser letztes Meeting. Wir werden danach wissen, wieviel Reis wir gekocht haben, wieviel Kinder in die Schule gehen koennen, wieviel Kranke behandelt wurden und, und, und. Ein Geruest aus Zahlen, gefuellt mit Erinnerungen.





Donnerstag, 17. Februar 2011

Glueckliche Gesichter

In der Gassenkueche wird nicht nur Essen verteilt. Oft kommen auch schlotternde Kinder und frierende Erwachsene in die Suppenkueche. Viele davon haben im Jaenner neue und warme Kleidung erhalten. Was fuer eine schoene Aufgabe!


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Mittwoch, 9. Februar 2011

Pashupatinath

Ein Hindu stirbt nicht gern in den eigenen vier Waenden, so vorhanden. Sollte es doch passieren, muss sein Leichnam so schnell wie moeglich aus dem Haus. Ansonsten bleibt sein Geist im Haus gefangen, was weder fuer die Reinkarnation hilfreich ist, noch fuer die Erben einen tragbaren Zustand darstellt. Viele, knapp vor der letzten Abzweigung stehende Hindus, pilgern deswegen nach Pashupatinath.
Pashupatinath ist das groesste Hinduheiligtum ausserhalb Indiens und nur knapp 20 Minuten zu Fuss von unserer Unterkunft entfernt. Pashupati ist die Inkarnation Shivas als "Lord of the Beasts" und somit eine der drei Hauptgottheiten des Hinduismus. Neben Shiva, dem Gott der Zerstoerung und der Erneuerung, sind das noch, Vishnu, der Gott des Bewahrens und der eher langweilige Brahma, der Schoepfergott, der seit getaner Arbeit ein eher ruhiges Dasein fristet. Interessant ist auch noch Shivas Frau Parvati, ein nicht ganz einfaches Eheweib. Ihr gemeinsamer Sohn Ganesh traegt deshalb einen Elefantenkopf, weil Shiva Mutter und Sohn im Bett erwischte und vor lauter Zorn, diesem kurzerhand die Ruebe absaebelte.Als das schlechte Gewissen zu druecken begann, ersetzte er denselben durch den Kopf des erstbesten Tieres, das ihm ueber den Weg lief. Ob ein Elefantenkopf die verdiente Strafe fuer Inzest ist, muss jeder selber beurteilen.

Pashupatinath ist bei weitem nicht so spektakulaer wie Varanasi, und auch der Bagmati kann es nur in punkto Verschmutzung mit dem Ganges aufnehmen. Die Tempel durften wir als Nichthindus nicht betreten und so blieb es bei einer Besichtigung der Ghats, wo Familien geschaeftig die Koerper verstorbener Angehoeriger verbrannten. Hindus pflegen ein weniger distanziertes Verhaeltnis zum Tod als wir. Vom Kaufen des Feuerholzes bis zum Reinigen des Ghats nach getaner Arbeit ist alles Familiensache, und bevor man den Scheiterhaufen entzuendet, kuesst man zum Abschied nochmal die Fuesse des Verstorbenen.

Dass ueber der ganzen Anlage ein Duft nach Spanferkel haengt, liegt laut Hugo daran, dass die Toten vor der Verbrennung nicht im Fluss gewaschen werden. In Varanasi werden die Toten gewaschen, und mir ist kein Geruch aufgefallen. Daher glaube ich Hugo jedes Wort.

PS: Hugo ist ein Voluntaer aus Zuerich und ab und zu mein Schachpartner auf unserer Dachterasse. Ein sehr guter Schachpartner, weil nicht viel besser als ich.