Freitag, 19. August 2011

Sulzfluh, eine Version des Schönen

Es war einer der schönsten Sommertage dieser heuer sehr launischen Jahreszeit. Sandra und ich besuchten unsere vom Reichtum schwer gebeutelten Nachbarn, um die Sulzfluh von deren Seite zu bewandern. Der Klettersteig in der Südwand soll der Schönere sein. Mangels Gegenprobe kann ich das nicht bestätigen, aber dass er unglaublich schön ist, daran besteht kein Zweifel mehr. Die 2819 Meter hohe Sulzfluh liegt im Rätikon und ist ein Grenzberg zwischen Vorarlberg und der Schweiz. Man erreicht den Gipfel über Wanderwege, oder eben über den Sulzfluh-Klettersteig. Ausgangspunkt der Wanderung war Parkplatz 6 in St. Antönien. Über 2 Stunden ging es Almwiesen hinauf zum Einstieg. Hätten nicht rundherum die Bauern ihre Sensen geschwungen, ich bin mir sicher, Heidi und Peter wären irgendwo im Gras gelegen und hätten sich einen Emmentaler geteilt. Die Einstiegsleiter erreichten wir schlussendlich über ein kurzes Geröllfeld. Es ist Mittag geworden und der Schweiß sammelte sich schon in der Popofalte.





Selbige galt es die nächsten 420 Höhenmeter zusammenzukneifen. Teilweise war es wirklich luftig und ausgesetzt. Ein Blick nach unten erhöhte die Schweißproduktion nochmal beträchtlich. Aber alle Anstrengungen haben sich mehr als gelohnt. Der Ausblick vom Gipfel war sensationell. Das Panorama reichte von den schneebedeckten Gipfeln der Silvretta bis zum Bodensee (fast). Der Abstieg zum Gasthof "Alpenrösli" war kein Leckerbissen, die 1200 Höhenmeter führten zu einem guten Teil über Geröll. Das falsche Terrain für meine aus der Knickerbocker hängenden Gummischläuche. Aber wir schafften es und die blauen Flecken am "Füdla" sind mittlerweile auch wieder weg. Die Dame im "Alpenrösli" war sehr zuvorkommen und für 20 Franken bekamen wir zu unserem "Apfelschorli" auch noch einen Espresso. Gott, was will man mehr?




Mittwoch, 3. August 2011

Auf die Maroiköpfe

Zum gefühlten hundertsten Mal höre ich „isch des schö“, von meinen beiden gut gelaunten Begleiterinnen. Obwohl wir noch nicht einmal den Parkplatz bei der Alpe Rauz verlassen haben, es saukalt ist und im Klostertal der Nebel hängt. Aber sie haben natürlich Recht, es ist wunderschön und das wird sich den ganzen Tag nicht ändern. Es wird wärmer werden und die Dächer der Wetterstation auf der Valluga und der Lecher und Zürser Bergstationen werden in der Sonne glänzen.


Um 7 Uhr starteten wir mit dem Aufstieg zu den 2522 Meter hohen Maroiköpfen. Anfangs etwas steiler zur Mittelstation der Albonabahn, danach gemütlich durch saftige Wiesen zur Kaltenberghütte. Auf 2039 Meter begegnete uns einer der 100, von Antony Gormley in die Landschaft gestellten, Gusseisenmänner. Horizon Field. Bis April 2012 wird er noch wie ein Wächter in der Landschaft stehen und die Rolle des Menschen in der Evolution thematisieren.




Nach der ersten Einkehrrunde ging es weiter zum Gipfel. Eineinhalb Stunden dauerte der manchmal steile Aufstieg bis zum Kreuz. Die Aussicht, eh schon wissen, einfach genial. Hinunter gings über den Nordrücken retour zur Kaltenberghütte. Der überaus zuvorkommende Hüttenwirt erklärte uns nicht nur das Panorama, sondern servierte auch hervorragende Kaspressknödel und Apfel-Zwetschkenstrudel. Rund um die Hütte grasen Pferde die Alm ab (man kommt sich vor wie in Rohan) und hin und wieder wagt eines einen Blick in die abgestellten Wanderrucksäcke. Aber irgendwann endet auch die schönste Rast und die zwei Stunden retour zur Alpe Rauz mussten schließlich auch noch bewältigt werden. Ein Kinderspiel. Überhaupt eine recht entspannte Wanderung, mit einer strategisch optimal platzierten Hütte.