Samstag, 22. August 2015

Gottvaters Besteigung


Wenn sich das Eheweib eine Bergtour auf den Großen Valkastiel wünscht freut das den Ehemann – auch wenn „Die schönsten Bergwanderungen in Vorarlberg“ 9 ½ Stunden Wandervergnügen versprechen. 


Ausgangspunkt unserer Wanderung ist das Dorfzentrum von Brand. Eine halbe Stunde gehen wir gemütlich der Alvier entlang talauswärts, begleitet nur vom Rauschen des Flusses. Irgendwann biegen wir rechts ab und es wird merklich steiler. Das bleibt den Rest des Tages so und ist vielleicht ein Grund warum die Wandererdichte äußerst überschaubar ist. Nach knapp zwei Stunden erreichen wir die Sarotlahütte. Diese liegt auf 1611 Meter am Ende des Sarotlatals, eines orografisch rechten Seitentals des Brandner Tals. (Wenn sie, wie ich nicht wissen was orografisch heißt, zögern sie nicht und befragen sie die Suchmaschine ihres Vertrauens.) Es ist noch früh und wir sind schneller als gedacht, kein Argument spricht gegen eine Tasse Kaffee und einen Melissentee. Euphorisiert vom Koffein, dem grandiosen Ausblick auf die Zimba und unserer unglaublichen Fitness machen wir uns wieder auf den Weg. Steil bergauf entlang der blauen Markierungen zum Eisernen Törle, das einen wunderbaren Ausblick ins Montafon eröffnet. Der Pfad gabelt sich hier. Mit Wegweisern war man allerdings etwas geizig und wer keine Tourenbeschreiben dabei hat und sowieso schon kein Humboldt ist, nimmt einfach den Weg, der einem verlockender erscheint. Oder den anderen, wenn man glaubt, das Schicksal will einen narren. Wir folgen der Abzweigung links und erreichen nach einer halben Stunde leichter Kletterei die Gottvaterspitze, wie wir im Gipfelbuch nachlesen können. Falscher Gipfel aber eine unglaubliche Aussicht vom Bodensee bis in die Schweizer Alpen. Nach einem ausgedehnten Mittagessen beginnen wir mit dem Abstieg. Mit den Resten der Landjäger zwischen den Zähnen geht’s zurück zur Weggabelung und weil die Sonne lacht nehmen wir auch noch den Großen Valkastiel mit. Von hier aus ist er gar nicht so groß und die Sache ist in einer halben Stunde erledigt. Der Abstieg verläuft genau wie der Aufstieg, ergänzt nur durch einen fantastischen Topfenstrudel auf der Sarotlerhütte. Über die Rosinen müssen wir noch reden.







Montag, 8. September 2014

Kein Strand in Myanmar

Nach Ladakh haben wir uns etwas Strand verdient und dieser sollte in Myanmar liegen. Also mit dem Flugzeug von Leh nach Delhi nach Bangkok nach Rangun. Obwohl wir schon in Leh drei Stunden Verspätung aufrissen, schafften wir all unsere Anschlussflüge. Wie das bei zwei Stunden Umsteigzeit in Delhi möglich ist bleibt rätselhaft – aber irgendwie so funktioniert Indien.

Rangun ist mit knapp 5 Millionen Einwohner die größte Stadt Myanmars und war bis 2005 auch dessen Hauptstadt. Abgelöst wurde sie von Naypyidaw, eine künstlich angelegte Stadt im Nirgendwo auf der Strecke von Rangun nach Mandalay. In repressiven Militärdiktaturen werden solche Entscheidungen manchmal getroffen. Deren Sinnhaftigkeit muss sich nicht allen erschließen. 2010 dankte das Regime ab und seit diesem Zeitpunkt sind die Anfänge eines Demokratieprozesses zu verzeichnen. Seit den Wahlen von 2012 ist auch Myanmars bekanntestes Gesicht, die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, im Parlament vertreten. Trotz des langsamen Fortschritts belegt das Land bei Ranglisten, die die Menschenrechtssituation, die Korruptionsanfälligkeit oder die Pressefreiheit beurteilen, verlässlich die hinteren Plätze. Beim Drogenhandel hingegen ist man weit vorne dabei. Besonders eng sind die Beziehungen, nicht überraschend, zum nördlichen Nachbarn China. Dies spiegelt sich nicht nur in einer panzertauglichen Schnellstraße, die das Land von oben bis unten durchzieht, sondern auch in gewöhnungsbedürftigen Hotelfrühstücksbuffets.



Ranguns größter Touristenmagnet und gleichzeitig das religiöse Zentrum des Landes ist die Schwedagon-Pagode. Die bedeutende Stupa ist mit mehr Gold und Diamanten verziert, als sich selbst der skrupelloseste Drogenbaron des Goldenen Dreiecks leisten könnte. Schön ist was anderes, aber bitte, wem es gefällt.


Das Thema Strand haben wir relativ schnell abgehakt, es war nicht die Jahreszeit dafür. Das Wetter hielt sich streng an die jahreszeitlichen Vorgaben. Stattdessen machten wir uns auf nach Bagan, dessen Sakralbauten weniger goldig und mehr ziegelig waren. In der alten Königsstadt wird fleißig renoviert und gebaut, das archäologische Anliegen verschwimmt hier etwas mit den touristischen Interessen. Wir erwogen die Erkundung der Tempel mittels Velociped, entschieden uns auf Grund der großzügigen Verteilung der Heiligtümer in der Gegend aber doch für Elektromopeds. Was dem Spaß keinen Abbruch tat. 






Unsere Nächtigungsübereinkunft mit dem Hotel beinhaltete auch die Nutzungsrechte des Pools. So hatten wir mit der Weiterreise keine große Eile, überhaupt befiel uns eine gewissen Trägheit und Faulheit, die wir auch in Mandalay nicht abschütteln konnten. Wir lagerten drei Tage rum und schwitzten vor uns hin bevor wir per Nachtbus zurück nach Rangun fuhren.


Freitag, 5. September 2014

Trekking in Ladakh

Schon der dritte Reiter mit avocadofruchtfleischfarbenem Gesicht der sich an den Sattelknauf klammert und apathisch in die Ferne starrt. Das Reittier, zweifellos des Weges kundig, wird begleitet von einem ledrigen Inder, der ein paar Berge weiter östlich Chinese wäre, eigentlich aber Tibeter ist - rundgesichtig und gut gelaunt. Im Gegensatz zum Touristen, dem die Höhenlage den Teint ruiniert hat. Sandra und ich grüßen möglichst mitfühlend und versuchen den Abstand zu Tsoma, unserer Begleiterin, in Grenzen zu halten, aber gleichzeitig nicht zu tief in die Reichweite ihres Techno verbreitenden Mobiltelefons einzudringen. Das gelingt uns recht gut, der Weg durchs Markha Valley ist keine alpine Spitzenleistung, eher ein ambitionierter Spaziergang durch wunderschön dramatische Landschaften.




Für indische Verhältnisse ist Ladakh ein recht ruhiges Plätzchen. Mit Ausnahme der Baustelle Leh, die langsam die hektische Geschäftigkeit einer indischen Großstadt annimmt, bleibt man hier im Norden des Subkontinents vor Lärm, Schmutz und Gestank weitgehend verschont. Ladakh ist ungefähr so groß wie Kroatien und liegt zwischen Himalaya und Karakorum doch recht abgelegen auf zumindest 3000 Meter Höhe. Niederschläge lassen die Berge rundum kaum zu, Wind und Kälte sind die meiste Zeit des Jahres allgegenwärtig.


Wie die meisten anderen Touristen auch sind wir zum Wandern in diese schöne Gegend gereist. Hatten es aber im Vergleich zu den Meisten nicht ganz so eilig und eine wirklich ambitionierte Trekkingtour haben wir mit dem Markha Valley Trek auch nicht ausgesucht. Wir genossen eine recht ausgiebige Akklimatisationszeit in Leh, saßen die Gartenmöbel unseres Herbergsgebers durch, schauten ab und zu mal beim Palast vorbei und verbesserten unser Handicap am höchstgelegenen Golfplatz der Welt, betreut vom Militär. Neun Löcher bestückt mit kleinen indischen Fahnen, um die pakistanischen Nachbarn zu ärgern.



Mit der Zeit fiel das Spazierengehen gar nicht mehr so schwer, die Verdauung funktionierte wieder und auch sonst konnte uns nichts davon abhalten, eine kleine Wanderung zu starten. Ausgesucht hatte diese unser umsichtiger Gastgeber, der bevor er uns auf den langen Trek schickte noch unsere Fitness testen wollte. Mit dabei der schüchterne Tamtschos, der die nächsten drei Tage unser Führer sein sollte und diese Aufgabe hervorragend bewältigte. Wir waren auch recht anspruchslos, verglichen mit dem sächsischen Pärchen, das aus unerfindlichen Gründen den gleichen Weg bestritt. Unerfindlich deswegen, weil der pensionierte Stasi-Spitzel ein verstauchtes Bein hatte und nur auf einen Stock gestützt durch die Landschaft humpeln konnte. Unerfindlich auch deswegen, weil ihm die regionale Küche gar nicht behagte und der Dosenthunfisch aus dem seine Mahlzeiten ausschließlich bestanden, sowieso in seinem Garten in Chemnitz viel besser schmecke. Seine Frau hingegen war sehr nett, wir wünschen ihr ein langes Leben und Karl Heinz einen juckenden Ausschlag im Schritt. 




Back in Leh, wuschen wir unsere Wäsche, lobten uns gegenseitig für so ziemlich alles was uns von Karl Heinz unterschied und lernten Tsoma kennen, die mit uns die nächsten acht Tage den Markha Valley Trek bestreiten sollte. Hier die Route, wie „Weltweit Wandern“ sie beschreibt: 


Wir starteten im Nirgendwo mit dem Namen Zinchen und zur Erheiterung der restlichen Reisegesellschaft plumpste Sandra gleich mal in einen Seitenarm des Indus. Wir waren nicht lange alleine unterwegs, bald trafen wir Tsomas Cousine, die ein französisches Pärchen begleitete, eine israelische Familie und eine Deutsch-Holländische Liebschaft. Allesamt lustige und freundliche Menschen mit denen es ein Vergnügen war zu reisen. Besonders das unterschiedliche Zeitgefühl des Deutsch-Holländischen Paars und ihres Führers samt Gepäckpferd war oft Quell großer Freude. Nicht selten variierten die Ankunftszeiten von Paar, Pferd und Führer am Etappenziel um Stunden. Aber das war egal. Zeit war hier nichts, was es zu füllen galt. Wir verbrachten die Tage mit viel gehen und viel weniger reden. Wir wurden von lächelnden Menschen in einfachen Häusern bekocht und erhielten einen Platz zum Schlafen. Wir wuschen uns in eiskalten Gebirgsbächen und schauten ihnen zu wie sie sich am späten Nachmittag in reißende Ströme verwandelten. Wir schwitzten, als wir auf 5000 Meter Hohe Pässe wanderten und trockneten beim Liegen in grünen Tälern. Die acht Tage waren anstrengend und wunderschön!