Kuerzlich feierten wir unser fuenftes Neujahr in diesem Jahr. Unseres, das Nepalische, das Tibetische, das Thailaendische und jetzt das Laotische. Auch in Laos enkamen wir den Armeen der Feiernden, die mit Wasserpistolen aufeinander Jagd machten. Die Lage hat sich mittlerweile deutlich entspannt und ich kann in Ruhe einen laotischen Kaffee an der Strasse im wunderschoenen Luang Prabang trinken. Wir schreiben uebrigens das Jahr 2554. Eigentlich soll es aber in diesem Eintrag nochmal um Nepal gehen, und darum, was uns in den knapp 4 Monaten dort so fasziniert hat.
Der Jahreswechsel in Nepal brachte uebrigens das Jahr 2068 in Gang. 2066 wurde ausgelassen, um endlich die Schaltjahre auszugleichen, die der nepalische Kalender nicht kennt. Ob dies Einfluss auf das Pensionsantrittsalter hat weiss ich nicht. Da eine staatliche Rente aber die Ausnahme und nicht die Regel ist, und zum Leben ohnehin nicht reicht, ist das auch egal. Militaerangehoerige bekommen eine Rente. Vielleicht ist das ein Grund warum die tausenden Maoistenkaempfer in die regulaere Armee uebernommen werden wollen. Regierungsverhandlungen, solche gibt es haeufig, scheitern unter anderem oft daran. Ebenso die Einigung auf eine nepalische Verfassung. Der vorgesehene Termin fuer die Fertigstellung ist irgendwann in diesen Tagen, ausser man einigte sich ueber eine weitere Verschiebung um ein Jahr.
Kleiner Exkurs in die nepalische Zeitgeschichte
2001 lief der designierte Thronfolger Dipendra Amok und toetete den vom Volk geliebten Koenig Birendra samt den Grossteil seiner Familie. Nepal versank in aufrichtiger Trauer um sein geliebtes Staatsoberhaupt. Von Drogen bis zur CIA wurde allem moeglichen und unmoeglichen die Schuld an dem Unglueck gegeben, restlos geklaert wurde die Sache nie. Der Nachfolger des Koenigs, sein Bruder Gyanendra, kam nie ueber die Beliebtheitswerte von Blasenkatarrh hinaus. Vielleicht mit ein Grund, warum er 2005 die aktuelle unfaehige Regierung aufloeste und sich zum absoluten Herrscher machte. Vornehmlicher Grund war, dass die Regierung in der Bekaempfung der maoistischen Rebellen genauso erfolgreich war wie Gyanendra beliebt. 2006 wurde die absolutistische Periode von den Maoisten beendet. Sie entschieden den seit 1996 schwelenden Buergerkrieg fuer sich und schickten den Koenig ins Exil. Prachandra, der Maoistenfuehrer, dessen Unterstuetzung vor allem aus der verarmten Landbevoelkerung kommt, setzte sich an seine Stelle und fuehrte die Demokratie ein. Ein Spiel dessen Spielregeln niemand kannte.
Diesen Februar einigte man sich mal wieder auf eine neue Regierung. Auch diese wird in erster Linie wieder korrupt sein. Fuer die arme Landbevoelkerung wird sich nichts aendern, sie wird arm bleiben. Fuer die Touristen auch nicht, moeglilcherweise streichen ihre Permits jetzt andere ein.
Nepal ist ein Tummelplatz fuer Hilfsorganisationen. Von der UNO (gut, die ist dieses Jahr abgezogen) bis zur Hunderettung ist alles vertreten. Manchmal hatte ich den Eindruck, der "Nepali" kann darueber nur den Kopf schuetteln wobei ihm ueberall geholfen wird. Den "Nepali" gibt es gar nicht, es gibt den Newari, den Tamang, den Sherpa und noch eine gute Handvoll anderer Volksgruppen, die friedlich miteinander leben. Den "Nepali" haben Sandra und ich erfunden, um ihnen Eigenschaften oder Verhaltensweisen zuzuschreiben, die wir fuer nicht alltaeglich halten. "Nepali style" nannten wir das dann. Wenn sich der Manager des Guesthouses auf ein Gespraech zu dir sitzt und mittendrin unvermittelt beginnt sich die Zehennaegel zu knipsen, ist das "Nepali style". Oder wenn 8 einzelne Socken aus der Waesche retourkommen, waehrend die 8 Komplementaersocken fuer immer verschwunden bleiben. Ganz untypisch vorarlbergerisch ist auch, wenn es laut Hotel ab 7 Uhr Fruehstueck gibt, man um 7 Uhr 15 den stockdunklen Speisesaal betritt, um 7 Uhr 25 den Koch aus dem Tiefschlaf holt, dieser ein "Morning" murmelt und erstmal in Ruhe einkaufen geht. Manchmal aergerten wir uns ueber solche Dinge, jetzt schmunzeln wir darueber und bald werden wir sie vermissen.
Nepal ist eine riesige Baustelle, eingeklemmt zwischen China und Indien, zwei Laendern, denen es nicht gewachsen ist und deren Begehrlichkeiten nichts gutes fuer Nepal verheissen. Indien finanzierte Nepal grosse Wasserkraftwerke an den zahlreichen Fluessen, die aus dem Himalaya stroemen. Im Gegenzug bekommt es guenstig ein grosses Kontingent Strom geliefert. Nepal leidet im Winter an Wassermangel und hat oft nur 10 Stunden am Tag Strom. China baut gerade eine Strasse durch den Himalaya nach Kathmandu. Vermutlich nicht aus Naechstenliebe. Nepalische Guides beginnen bereits Chinesisch zu lernen, und der ohnehin nicht sanfte Tourismus wird nochmal explodieren. Nepals Zukunft dadurch nicht rosiger.