Dienstag, 13. August 2013

Namibia Teil 1

Fort Namutoni

Fort Namutoni liegt nahe am östlichen Eingang des Etosha Nationalparks. 1903 wurde die als Grenzposten dienende Festung von der deutschen Besatzungsmacht fertiggestellt. Zu einer Zeit, als Namibia noch Deutsch-Südwestafrika hieß. Als im Jänner 1904 der Herero-Aufstand losbrach, wurde auch Fort Namutoni belagert. Sieben Deutsche verteidigten den Ort einen Tag lang gegen 500 Owambo-Krieger, die sich den Aufständischen angeschlossen hatten. 68 Krieger starben an diesem Tag. An sie erinnert ein einfacher Stein außerhalb des Forts. Den Verteidigern ist eine Tafel am Eingang der Festung gewidmet. Sie suchten nach einem Tag Gefecht das Weite, wer mag es ihnen verdenken. Das Fort wurde abgetragen.
Um 1958 als Touristenlager wieder geöffnet zu werden. Strahlend weiß glänzt es neben dem Wasserloch, aus dem gerade ein monströses Nashorn säuft. Wir sind angekommen im Etosha Nationalpark.


Am 11. Juli sind Sandra und ich nach zehnstündigem Flug von Frankfurt aus in Windhoek gelandet. Die netten Leute von Savanna-Car holten uns am Flughafen ab und nach kurzen Formalitäten und Austausch eines Bündels Euroscheine waren wir im Besitz eines wahren Ungetüms von Auto. Die Erfüllung aller Bubenträume seit man "Paradies der Tiere" im TV gesehen hat. Ein Geländewagen mit Ersatzreifen, Campingausstattung, Dachzelt, Axt, Schaufel, Gasflaschen, Wassertank... wäre ein Gewehr dabei gewesen, ich hätte vor Freude wild in die Luft geschossen. Nur das Lenkrad war auf der falschen Seite. Die Windhoeker Autofahrer sind sehr verständnisvoll und beantworteten jeden Abbiegewunsch meiner Seite, den ich mittels Scheibenwischens kundtat, mit zuvorkommendem Bremsen und breitem Grinsen.
Unser erstes Ziel war das nördlich von Windhoek gelegene Waterberg Plateau. Nicht nur schicksalshafter Schauplatz der entscheidenden Schlacht im oben schon erwähntem Aufstand, sondern auch eines der staatlichen namibischen Naturreservate, kurz NRW. Der Tafelberg erhebt sich wie eine Insel aus der endlosen Savanne. Im Schatten der roten Felswände ist die Vegetation üppiger. Das Plateau ist ungewöhnlich reich an Wasservorkommen, ein Umstand, der sowohl Pflanzen als auch Tieren nicht verborgen blieb.


An der Rezeption des Campingplatzes erhielten wir ein Informationsblatt, das auch das Fahndungsfoto eines Pavians zeigte und ausdrücklich vor ihm und seinen Freunden warnte. Und ich schwöre, es vergingen keine zwei Stunden bis ich sah, wie er den Kofferraum eines von ahnungslosen Touristen  unverschlossen abgestellten Wagens öffnete und eine Packung Cornflakes stahl. Unseren noch ahnungsloseren italienischen Zeltnachbarn klaute man die Polenta und das Popcorn aus der Vorratskiste. Unsere echauffierten Proteste ignorierten die Verbrecher, das Steinewerfen quittierten sie mit höhnischem Gekicher. Durstig von den Raubzügen stolzierte der Oberpavian zum Wasserhahn, drehte auf, trank, wusch sich das Gesicht und ging nach Hause. Das Wasser ließ er rinnen.
Am Nachmittag, als alle anderen Camper bereits das Lager verlassen hatten, besuchten uns Wildschweine, Erdmännchen und ab und zu ein kleiner Springbock. Wir tranken eine Dose Windhoek Lager, Sandra las, wie auf jeder Reise "Die letzten ihrer Art" und spätestens um acht werden wir wieder in unseren Schlafsäcken am Dach des Hilux liegen.





Rund um die Pfanne

Zentrum des 22000 Quadratkilometer großen Etosha-Nationalparks ist eine 5000 Quadratkilometer große Salztonpfanne, die zum westlichen Teil der Kalahari gehört. Entlang ihrer Südseite  befinden sich die drei staatlichen Rastlager Namutoni, Halali und Okaukujeo, verbunden durch die Hauptstraße des Parks. Neben dieser gibt es ein Wegenetz, über das man die zahlreichen Wasserlöcher der Gegend anfahren kann.
Nach Etosha kommt man um Tiere zu sehen, genau das haben wir getan. Sehr häufig stößt man auf das Helmperlhuhn. Der minder begabte Flieger läuft in Gruppen durch die Savanne und fällt dadurch auf, dass eines der fülligen Hühner stets zu spät dran ist und hinter den anderen herhechelt. Hinterher sind immer auch die Gnus. Von der Natur nicht nur nicht mit ihrem Aussehen verwöhnt, sondern auch noch mit Kurzsichtigkeit und Schwerhörigkeit geschlagen, folgen sie den weitaus eleganteren Zebras. Rennen diese vor etwas davon, rennen auch die Gnus. Ein sehr scheues Tier ist die Eland Antilope, warum sie dennoch in Styropor eingeschweißt in jedem Supermarkt rumliegt bleibt ein Rätsel Afrikas. In freier Natur trifft man sehr häufig auf Giraffen. Überall stehen sie kauend rum oder bücken sich, um ein paar Blätter aus Baumkronen zu zupfen. Schwieriger wird es, Raubtiere zu erspähen. Geparden blieben uns verborgen. Löwen sind schwer zu sehen, da sie meist regungslos im Schatten liegen und ebenso gelb sind wie die Savanne. Wir hatten Glück, zweimal trafen wir welche bei einem Wasserloch. Glück deshalb, weil sie weniger an uns interessiert waren als wir an ihnen. Ganz selten werden Leoparden gesehen, da diese Nachts jagen und am Tag in Höhlen oder auf Bäumen schlafen. Es überraschte uns daher sehr, als plötzlich einer über die Straße schlenderte und im Schatten unseres Autos ein Schläfchen machte. Eine Sensation, denn selbst die abgebrühtesten Safariguides zogen ihre Mobiltelefone aus der Weste und schossen Foto um Foto. Nashörner sind riesige Muskelpakete, die den Eindruck erwecken, als könnten sie mit ihrem Horn einen Panzer aufspießen. In Wirklichkeit sind sie so unsicher, dass sie schon Vogelgezwitscher zusammenzucken lässt. Elefanten strahlen im Gegensatz dazu ungemeine Selbstsicherheit aus - wer mag es ihnen verdenken.







In Etosha hatten wir nicht nur einen Haufen Tiere zu beobachten, sondern auch einen Reifenplatzer. Was deswegen unangenehm ist, weil man ständig darauf hingewiesen wird, nicht aus dem Auto zu steigen. Wir taten es trotzdem und versuchten mit zwei Wagenhebern aus dem Barbiemobil unseren Wagen hochzustemmen. Nach Stunden harter Arbeit gelang es uns schließlich, den komplett zerfetzten Reifen, in den auch noch ein Teil des Kotflügels gewickelt war, von der Achse zu ziehen, und durch einen unserer Reservereifen zu ersetzen. Den lockeren Kotflügel fixierte die nächste Werkstatt mit ein paar Kabelbindern.  In der ganzen Aufregung ließ Sandra ihre Kamera am Straßenrand zurück und mit ihr, all die Fotos vom heldenhaften Reifenwechsel in der Wildnis.