Freitag, 5. September 2014

Trekking in Ladakh

Schon der dritte Reiter mit avocadofruchtfleischfarbenem Gesicht der sich an den Sattelknauf klammert und apathisch in die Ferne starrt. Das Reittier, zweifellos des Weges kundig, wird begleitet von einem ledrigen Inder, der ein paar Berge weiter östlich Chinese wäre, eigentlich aber Tibeter ist - rundgesichtig und gut gelaunt. Im Gegensatz zum Touristen, dem die Höhenlage den Teint ruiniert hat. Sandra und ich grüßen möglichst mitfühlend und versuchen den Abstand zu Tsoma, unserer Begleiterin, in Grenzen zu halten, aber gleichzeitig nicht zu tief in die Reichweite ihres Techno verbreitenden Mobiltelefons einzudringen. Das gelingt uns recht gut, der Weg durchs Markha Valley ist keine alpine Spitzenleistung, eher ein ambitionierter Spaziergang durch wunderschön dramatische Landschaften.




Für indische Verhältnisse ist Ladakh ein recht ruhiges Plätzchen. Mit Ausnahme der Baustelle Leh, die langsam die hektische Geschäftigkeit einer indischen Großstadt annimmt, bleibt man hier im Norden des Subkontinents vor Lärm, Schmutz und Gestank weitgehend verschont. Ladakh ist ungefähr so groß wie Kroatien und liegt zwischen Himalaya und Karakorum doch recht abgelegen auf zumindest 3000 Meter Höhe. Niederschläge lassen die Berge rundum kaum zu, Wind und Kälte sind die meiste Zeit des Jahres allgegenwärtig.


Wie die meisten anderen Touristen auch sind wir zum Wandern in diese schöne Gegend gereist. Hatten es aber im Vergleich zu den Meisten nicht ganz so eilig und eine wirklich ambitionierte Trekkingtour haben wir mit dem Markha Valley Trek auch nicht ausgesucht. Wir genossen eine recht ausgiebige Akklimatisationszeit in Leh, saßen die Gartenmöbel unseres Herbergsgebers durch, schauten ab und zu mal beim Palast vorbei und verbesserten unser Handicap am höchstgelegenen Golfplatz der Welt, betreut vom Militär. Neun Löcher bestückt mit kleinen indischen Fahnen, um die pakistanischen Nachbarn zu ärgern.



Mit der Zeit fiel das Spazierengehen gar nicht mehr so schwer, die Verdauung funktionierte wieder und auch sonst konnte uns nichts davon abhalten, eine kleine Wanderung zu starten. Ausgesucht hatte diese unser umsichtiger Gastgeber, der bevor er uns auf den langen Trek schickte noch unsere Fitness testen wollte. Mit dabei der schüchterne Tamtschos, der die nächsten drei Tage unser Führer sein sollte und diese Aufgabe hervorragend bewältigte. Wir waren auch recht anspruchslos, verglichen mit dem sächsischen Pärchen, das aus unerfindlichen Gründen den gleichen Weg bestritt. Unerfindlich deswegen, weil der pensionierte Stasi-Spitzel ein verstauchtes Bein hatte und nur auf einen Stock gestützt durch die Landschaft humpeln konnte. Unerfindlich auch deswegen, weil ihm die regionale Küche gar nicht behagte und der Dosenthunfisch aus dem seine Mahlzeiten ausschließlich bestanden, sowieso in seinem Garten in Chemnitz viel besser schmecke. Seine Frau hingegen war sehr nett, wir wünschen ihr ein langes Leben und Karl Heinz einen juckenden Ausschlag im Schritt. 




Back in Leh, wuschen wir unsere Wäsche, lobten uns gegenseitig für so ziemlich alles was uns von Karl Heinz unterschied und lernten Tsoma kennen, die mit uns die nächsten acht Tage den Markha Valley Trek bestreiten sollte. Hier die Route, wie „Weltweit Wandern“ sie beschreibt: 


Wir starteten im Nirgendwo mit dem Namen Zinchen und zur Erheiterung der restlichen Reisegesellschaft plumpste Sandra gleich mal in einen Seitenarm des Indus. Wir waren nicht lange alleine unterwegs, bald trafen wir Tsomas Cousine, die ein französisches Pärchen begleitete, eine israelische Familie und eine Deutsch-Holländische Liebschaft. Allesamt lustige und freundliche Menschen mit denen es ein Vergnügen war zu reisen. Besonders das unterschiedliche Zeitgefühl des Deutsch-Holländischen Paars und ihres Führers samt Gepäckpferd war oft Quell großer Freude. Nicht selten variierten die Ankunftszeiten von Paar, Pferd und Führer am Etappenziel um Stunden. Aber das war egal. Zeit war hier nichts, was es zu füllen galt. Wir verbrachten die Tage mit viel gehen und viel weniger reden. Wir wurden von lächelnden Menschen in einfachen Häusern bekocht und erhielten einen Platz zum Schlafen. Wir wuschen uns in eiskalten Gebirgsbächen und schauten ihnen zu wie sie sich am späten Nachmittag in reißende Ströme verwandelten. Wir schwitzten, als wir auf 5000 Meter Hohe Pässe wanderten und trockneten beim Liegen in grünen Tälern. Die acht Tage waren anstrengend und wunderschön!







   
   

    
   

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