Schon der
dritte Reiter mit avocadofruchtfleischfarbenem Gesicht der sich an den
Sattelknauf klammert und apathisch in die Ferne starrt. Das Reittier,
zweifellos des Weges kundig, wird begleitet von einem ledrigen Inder, der ein
paar Berge weiter östlich Chinese wäre, eigentlich aber Tibeter ist -
rundgesichtig und gut gelaunt. Im Gegensatz zum Touristen, dem die Höhenlage den
Teint ruiniert hat. Sandra und ich grüßen möglichst mitfühlend und versuchen
den Abstand zu Tsoma, unserer Begleiterin, in Grenzen zu halten, aber
gleichzeitig nicht zu tief in die Reichweite ihres Techno verbreitenden
Mobiltelefons einzudringen. Das gelingt uns recht gut, der Weg durchs Markha
Valley ist keine alpine Spitzenleistung, eher ein ambitionierter Spaziergang
durch wunderschön dramatische Landschaften.
Für
indische Verhältnisse ist Ladakh ein recht ruhiges Plätzchen. Mit Ausnahme der
Baustelle Leh, die langsam die hektische Geschäftigkeit einer indischen
Großstadt annimmt, bleibt man hier im Norden des Subkontinents vor Lärm,
Schmutz und Gestank weitgehend verschont. Ladakh ist ungefähr so groß wie
Kroatien und liegt zwischen Himalaya und Karakorum doch recht abgelegen auf
zumindest 3000 Meter Höhe. Niederschläge lassen die Berge rundum kaum zu, Wind und
Kälte sind die meiste Zeit des Jahres allgegenwärtig.
Wie die
meisten anderen Touristen auch sind wir zum Wandern in diese schöne Gegend
gereist. Hatten es aber im Vergleich zu den Meisten nicht ganz so eilig und eine
wirklich ambitionierte Trekkingtour haben wir mit dem Markha Valley Trek auch
nicht ausgesucht. Wir genossen eine recht ausgiebige Akklimatisationszeit in
Leh, saßen die Gartenmöbel unseres Herbergsgebers durch, schauten ab und zu mal
beim Palast vorbei und verbesserten unser Handicap am höchstgelegenen Golfplatz
der Welt, betreut vom Militär. Neun Löcher bestückt mit kleinen indischen
Fahnen, um die pakistanischen Nachbarn zu ärgern.
Mit der
Zeit fiel das Spazierengehen gar nicht mehr so schwer, die Verdauung funktionierte
wieder und auch sonst konnte uns nichts davon abhalten, eine kleine Wanderung
zu starten. Ausgesucht hatte diese unser umsichtiger Gastgeber, der bevor er
uns auf den langen Trek schickte noch unsere Fitness testen wollte. Mit dabei
der schüchterne Tamtschos, der die nächsten drei Tage unser Führer sein sollte
und diese Aufgabe hervorragend bewältigte. Wir waren auch recht anspruchslos,
verglichen mit dem sächsischen Pärchen, das aus unerfindlichen Gründen den
gleichen Weg bestritt. Unerfindlich deswegen, weil der pensionierte
Stasi-Spitzel ein verstauchtes Bein hatte und nur auf einen Stock gestützt
durch die Landschaft humpeln konnte. Unerfindlich auch deswegen, weil ihm die
regionale Küche gar nicht behagte und der Dosenthunfisch aus dem seine Mahlzeiten
ausschließlich bestanden, sowieso in seinem Garten in Chemnitz viel besser
schmecke. Seine Frau hingegen war sehr nett, wir wünschen ihr ein langes Leben
und Karl Heinz einen juckenden Ausschlag im Schritt.
Back in
Leh, wuschen wir unsere Wäsche, lobten uns gegenseitig für so ziemlich alles
was uns von Karl Heinz unterschied und lernten Tsoma kennen, die mit uns die
nächsten acht Tage den Markha Valley Trek bestreiten sollte. Hier die Route,
wie „Weltweit Wandern“ sie beschreibt:
Wir starteten im Nirgendwo mit dem Namen
Zinchen und zur Erheiterung der restlichen Reisegesellschaft plumpste Sandra
gleich mal in einen Seitenarm des Indus. Wir waren nicht lange alleine
unterwegs, bald trafen wir Tsomas Cousine, die ein französisches Pärchen
begleitete, eine israelische Familie und eine Deutsch-Holländische Liebschaft.
Allesamt lustige und freundliche Menschen mit denen es ein Vergnügen war zu
reisen. Besonders das unterschiedliche Zeitgefühl des Deutsch-Holländischen
Paars und ihres Führers samt Gepäckpferd war oft Quell großer Freude. Nicht
selten variierten die Ankunftszeiten von Paar, Pferd und Führer am Etappenziel
um Stunden. Aber das war egal. Zeit war hier nichts, was es zu füllen galt. Wir
verbrachten die Tage mit viel gehen und viel weniger reden. Wir wurden von
lächelnden Menschen in einfachen Häusern bekocht und erhielten einen Platz zum
Schlafen. Wir wuschen uns in eiskalten Gebirgsbächen und schauten ihnen zu wie
sie sich am späten Nachmittag in reißende Ströme verwandelten. Wir schwitzten,
als wir auf 5000 Meter Hohe Pässe wanderten und trockneten beim Liegen in
grünen Tälern. Die acht Tage waren anstrengend und wunderschön!

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