Zurueck in der Medienwelt, im Wissen um die furchtbaren Ereignisse, ist die Gruppe Japaner, die unseren Weg im Langtang Gebirge kreuzte wohl die eindruecklichste Erinnerung. Ihr Zurueckkommen mag dem Aufwachen in einem Albtraum gleichkommen. Die Naturschoenheiten die sie gesehen haben, abgeloest von der Grausamkeit zu denen eben diese Natur faehig ist. Ein Gefuehl des Mitleids wechselt ab mit der Erleichterung darueber, nicht in dieser Situation zu sein.
Tag 1: Kathmandu - Syabru Besi:117 km
Nichts gibt mehr Stoff fuer einen Blogeintrag her, als eine kurze Busfahrt durch Nepal. 10 Stunden waren fuer die knapp 120 Kilometer veranschlagt, und ich bin mir sicher, der 16 jaehrige Busfahrer haette den Fahrplan eingehalten, waere ihm nicht nach zwei Stunden ein Minivan in die Quere gekommen. Da die Firma Tata beim Bau ihrer Busse das Augenmerk auf Robustheit und weniger auf die Qualitaet der Bremsen legt, erlitt der Minivan eine ordentliche Frontdeformation, waehrend vom Tatapanzer nur ein paar Rostschuppen abbroeselten. Personen kamen nicht zu Schaden. Nur der Busfahrer war seltsam blass. Boese Mitreisende behaupteten das kaeme vom Alkohol und Marihuana, das er am Vortag, immerhin Shivas Geburtstag, genossen hatte. Nach zwei Stunden rumstehen in der Einoede kam die Polizei, der Van wude in den Strassengraben geschoben und die Reise ging ohne Zwischenfaelle weiter. Das eine oder andere Buswrack, das die Abhaenge zierte ignorierten wir gelassen, und das Dal Bhat zu Mittag schmeckte richtig gut. Warum es die Haelfte der Mitreisende in die dafuer extra ausgegebenen Plastiksackerl erbrach verstanden wir nicht. Wie so viel in diesem Land.
Tag 2 - 4: Syabru Besi - LamaHotel - Langtang - Kyanjin: 33 km
Kyanjin liegt auf 3860 Meter und ist der letzte bewohnte Ort im Langtang Valley. Eigentlich eine Ansammlung von Lodges, die Horden von Treckern, Guides und Portern Unterkunft bietet. Da es aber ziemlich frueh im Jahr war, wanderten wir meist allein auf weiter Flur, gepeinigt nur von den schweren Rucksaecken die wir mitschleppten. Die ersten beiden Tage wanderten wir durch Bambus- und Rhododendronwaelder, immer entlag des Langtang Rivers. Der schoenste Ort, gaenzlich ohne Lodges war Old Langtang, traditionelle Haeuser gebaut von Tibetern, die ueber die nahe Grenze kamen.
Tag 5 - 7: Kyanjin
Kyanjin liegt wunderschoen eingebettet in einem Kessel umgeben von gigantischen Bergen. Der hoechste davon ist mit 7246 Meter der Langtang Lirung. Die ganzen drei Tage hier oben verspuerten wir leichte Kopfschmerzen. Obwohl die Sonne unglaublich kraeftig und grell schien, gelang es ihr nicht, die Wasserrohre in der Dusche aufzutauen. War die Sonne weg, wurde es richig kalt. Die Abende verbrachten wir mit unseren Vermietern am Kuechenherd, der, gefuellt mit Yakgak, nicht nur fuer die Waerme zustaendig war, sondern auch fuer den beissenden Geruch unserer Kleidung. Unter Tags wanderten wir zum kinschung Icefall bzw. bestiegen wir den Kyanjin Ri. Leider begann es am dritten Tag zu schneien und die Besteigung des 4984 Meter hohen Tsergo Ri war nicht mehr moeglich.
Tag 8 - 9: Kyanjin - Lama Hotel - Thulo Syabru: 44 km
In zwei langen Tagen wanderten wir fast das ganze Tal retour und nochmal knapp 1000 Hoehenmeter hinauf nach Thulo Syabru, den Ausgangsort fuer den Treck nach Gosainkund. Ein gemuetlicher, auf einem Grat gelegener Ort, der entweder vom Tourismus lebt oder von der Landwirtschaft, wie die ausgedehnten Terassenfelder rundherum nahelegten. Dass in der Nacht auf den 11. Maerz kurz die Erde bebte nahmen wir kaum wahr. Dass in Japan ein paar Stunden spaeter ein Erdbeben ganz anderer Staerke eine Katastrophe ausloesen sollte, erfuhren wir erst als wir wieder in Kathmandu waren.
Tag 10 - 12: Thulo Syabru - Sing Gompa - Laurebina Yak - Gosainkund: 19 km
Langsam arbeiteten wir uns die gut 2000 Hoehenmeter zum 4390 Meter hochgelegenen Gosainkund vor. Im Sommer ein Pilgerziel fuer tausende Glaeubige, die an den heiligen Gosainkund Seen "Janai Purina" feiern. Im Winter ein eiskaltes Loch, mit einer geoeffneten Lodge und zahlreichen grossen weissen Flecken, unter denen man die heiligen Seen vermuten koennte.
Tag 13: Gosainkund - Gopte: 12 km
Sandra verbrachte keine gute Nacht, trotzdem starteten wir frueh unsere haerteste Etappe. Die 300 Hoehenmeter bis zum Laurebina Pass schafften wir in gut einer Stunde und obwohl erst wenige Touristen diese Saison den Pass ueberschritten hatten, war der Weg deutlich zu erkennen. Es herrschte gute Sicht und auch der eiskalte Wind war ertraeglich. Fuer Pausen gab es sowieso keinen Anlass, da das Wasser in unseren Trinkflaschen laengst gefroren war. Die wahre Herausforderung war der Abstieg nach Gopte. Sandra ging es mit jedem Meter bergab besser und als wir den Ort Phedi erreichten, glaubten wir das Schlimmste hinter uns. Bis zu unserem Ziel mussten wir allerdings noch drei Bergruecken rauf und wieder runter, die auf unserer Karte nicht verzeichnet waren. Zur Belohnung gab es in Gopte einen Kuebel heisses Wasser und wir konnten uns endlich mal wieder richtig waschen.
Tag 14 - 16: Gopte - Kutumsang - Chisopani - Sundarijal: 41 km
Die letzten drei Tage unseres Wanderausflugs verbrachten wir am Helambu Treck, der uns nach Sundarijal fuehrte, direkt vor die Haustuer Kathmandus. In Gopte trafen wir Ulli aus Muenchen, der seinen Resturlaub mit der Besteigung des 5846 Meter hohen Naya Kanga aufbrauchen wollte. Allerdings zwang ihn die Schneelage zu einem fruehzeitigen Abbruch, und er nuetzte die Zeit um nach Kathmandu zurueckzuwandern. Die Landschaft aenderte sich vom Hochgebirge immer mehr in ein bewaldetes "Huegelland" und gegen Ende der Tour wanderten wir schon durch Waelder voll bluehender Rhododendronbaeume. Bei klarer Sicht konnten wir in unseren Ruecken immer wieder die Aussicht auf die Berge geniessen. Berge die uns ehrfuerchtig werden liessen. Wachgerufene Erinnerungen an Ausgesetztheit, die Kopfschmerzen, das gleissende Sonnenlicht und die entsetzliche Kaelte. Erinnerungen an das einfache Leben, das wortlose Sitzen vor dem offenen Feuer und die wettergegerbten Gesichter der Tibeter. Erinnerungen an ein anderes Leben, an unsere Winzigkeit im Schatten der Natur.








Spannend und bewegend zu lesen über Eure Trekkingtour am Dach der Welt. Und vermutlich Erfahrungen die man nur dort machen kann.
AntwortenLöschenWeiterhin eine tolle Zeit
Ingrid